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Freitag, 30. Oktober 2020

Hunde

Ich mag Hunde. Ich habe nur keinen. Wie sollte ich wochenlang mit dem Rad reisen, wenn zuhause ein Hund jault?

In Italien hatte ich immer Hunde, mehr als mir lieb war. In jedem Anwesen springen mindesten zwei rum. Wenn ich vorbei fuhr, kläfften sie sich die Kehle aus dem Hals. In der Emilia Romagna kam ich alle zwei Minuten an einem Haus vorbei. Also war permanentes Gekläffe in der Luft. An jedem Capingspot, egal wie einsam er war, es wurde immer irgendwo gekläfft. 

Bei einem solchen Bedarf an Hunden gibt es natürlich eine Menge Hundezüchter. Kommt man an einem vorbei, was unvermeidbar ist, dann wäre es gut, Ohropax zu haben.

Dieses aufgeregte Gekläffe hat mich einfach nur genervt. Markus Weber hatte Pfefferspray dabei und sich damit die Bulgarischen Hunde vom Leib gehalten. Ich hätte es auch gerne gehabt, nur um ihnen eins auf die Schnauze zu geben. 

Die Köter kläfften immer hinter stabilen Einfriedungen mit noch stabileren Rollgittertoren. Die Klingeln waren mit Gegensprechanlage und Kamera ausgerüstet. Das sah aus wie Hochsicherheitstrakte. Sowas findet man in Deutschland meisten, wenn Leute ihren Reichtum dahinter verstecken. In einsamen Gegenden wie dem Massiv Central oder Norwegen/Schweden gibt es das gar nicht. Ich würrde gerne höhren, was ein Soziologe zu dieser angsterfüllten Gesellschaft sagt. 

Gefährlich waren die Köter nie, weil hinter dem Zaun.  Als ich die einsame SS5 von Collarmele nach Castel di Ieri fuhr, kam am Pass eine Schafherde zielstrebig auf die Straße zu. Ich wunderte mich, dass die Schafe so geordnet und gradlinig liefen, bis ich die drei Köter an der Spitze der Herde sah. Die Schafe wussten wohl aus Erfahrung, warum sie so brav hinter ihnen her liefen. Als die Köter mich wahr nahmen, war ich sofort Mittelpunkt ihres Interesses. Ich wusste gar nicht, dass ich einem Wolf ähnle, denn Wölfe gibt es hier und zu deren Abwehr braucht der Schäfer scharfe Hunde. Ich hatte kein Pfefferspray dafür Angst um meine Waden. Zum Glück ging es bergab und nach zwei Tritten ins Pedal gaben sie auf. Auch wenn sie mich angriffen, es machte wenigstens Sinn, dass sie die Herde bewachten.

Pfefferspray kommt auf die Packliste!

Samstag, 18. September 2021

Hunde

Wenn die Hunde dir an die Wade wollen, hast du keinen Nerv zu fotografieren. Deshalb habe ich nur Fotos von braven Hunden.


Für die bissigen hatte ich mir ein Pfefferspray gekauft und leicht greifbar  am Vorbau befestigt. Aber es ist nicht nur schwer, in so einer Situation zu fotografieren sondern auch mit dem Pfefferspray richtig zu zielen. Einmal war ich erfolgreich und der Köter zog ab. Nach wenigen weiteren Versuchen war das Pfefferspray leer. 20 € für eine sinnlose Anschaffung!

Der Weg war schlecht. Ich wusste, ich muss abbiegen. Da kläffte der Aufpasser und in weniger als einer Minuten war ich von 5 zähnefletschenden Bestien umgeben. Ich griff zum üblichen Mittel des Radlers und trat kräftig in die Pedale. In der Hektik bog ich nicht ab.  Also zurück in die Höhle des Löwen. Außerhalb des Gefahrenbereichs schnitt ich von der Weide am Wegrand eine schöne Rute. Mit ihr in der Hand fuhr ich los. Was war das? Der Aufpasser kniff angesichts meiner Rute den Schwanz ein. Anstatt zu bellen machte er einen großen Bogen um mich. Da der Alarm fehlte, kamen seine Kampfgenossen nicht zum Vorschein und ich fuhr unbehelligt meinen Weg.
 
Nach der Erfahrung habe ich die Methode noch mehrmals getestet. Sie war immer erfolgreich. 
 
Außerdem war es oft besser, nicht schnell sondern ruhig weiter zu fahren.  Das signalisiert: ich fliehe nicht, ich habe keine Angst vor dir. Das funktioniert wahrscheinlich nicht, wenn man sich innerhalb seines Reviers befindet. Wie weit das geht, ist natürlich unbekannt.

Ich kann allen Radlern nur raten: spart euch das Geld für's Pfefferspray und nehmt einen passenden Stock mit. Eine Erfindung dazu muss ich noch machen: wie befestigt man den Stock am Rad, so dass er nicht verloren geht und mit einem schnellen Griff einsatzbereit ist.
 
Hunde sind Aufpasser. Bei alleinstehenden Gebäuden oder Herden herrscht normalerweise Ruhe, auch die ganze Nacht. Wenn plötzlich das Gebell los geht, dann ist das mit Sicherheit von einem Tier -Bär, Wolf, Fuchs oder sonstiges- ausgelöst. Nach wenigen Minuten hört das Gebell auf.

Anders ist das in Siedlungen. Irgendein Köter findet immer einen Grund zu bellen und dann stimmt die gesamte Meute mit ein. Das hat zur Folge, dass die halbe Nacht meist ohne Grund gebellt wird.

Manche Hunde laufen auch frei herum. Die finden dann immer mein Zelt und meinen, es sei notwendig, dieses Zelt anzubellen. Als ob sich so ein Zelt durch Gebell beeindrucken ließe. Ich ja auch nicht. Manchmal hat man 10 Minuten Gebell vor dem Reißverschluss. Ich sollte bei so einer Gelegenheit einmal die Rute ausprobieren.
 
Es ging berauf, so konnte er gut mithalten. Etwa 2 km leistete er mir Gesellschaft, dann kam ein flacher Abschnitt und ich fuhr ihm davon. 
 
 
 
 
 

 
 
 

Dienstag, 14. September 2021

Passfahrt


Der Toroiaga im Abendlicht, mit 1927 m+NN einer der höchsten Gipfel im Gebiet Maramures, war sozusagen der Hausberg meines Zeltplatzes und Startpunkte für diese Fahrt. Als ich den netten Herrn, der mir Cappuccino und Wasser gebracht hat, erklärte, dass ich diesen Pass fahren will, schaute mich ein Gesicht mit vielen Fragezeichen an. Da war ich noch der Meinung, ich würde die Serpentinenstraße fahren und wusste nicht, was auf mich zukommt. Mein Gegenüber wohl schon.
 
Passend zu den kommunistischen Wohnblocks die Industrieruine am Ortsrand.

Hunde gibt es überall. Dieser war harmlos.

Glückliche Schweine. Es geht ihnen gut. Man sieht es!
Sie leben in einem großen Gehege und haben viel Schlamm zum suhlen. 

Er bringt seine Schafe auf die Alm,
zufrieden und noch gut zu Fuß
Die Größe des Baches und der Zustand des Weges zeigten an, wie weit es noch bis zum Pass ist. Hier war es noch ein ziemliches Stück
Weiter oben in einem steilen Abschnitt mit groben Steinen kamen drei VW-Busse mit Franzosen. Der erste hielt an und sie fragten mich nach meinem Befinden. C'est tres dure. Zu mehr reichten mein Französisch und meine Verfassung nicht. Sie winkten und fuhren weiter.
 
Auf der Passhöhe 1460 m+NN wehte die Rumänische Fahne
und außerdem ein kalter Wind,
der mich veranlasste, sofort meinen Anorak anzuziehen.

 
Die Franzosen hatten mich schon angemeldet: da kommt noch so ein verrückter Radler. Er hier konnte gut Englisch, was die Unterhaltung wesentlich vereinfachte. Es war eine Gruppe von Slowaken, die wie ich eine Tour durch die Wildnis machten. Wer hier fährt weiß, dass es keine Autobahn ist (Ersatzreifen auf dem Dach). Sie schinden ihr Fahrzeug herauf. Dass ich meine Beine herauf schinde, erstaunt sie. 

Dann kamen Timo und Sebastian mit ihren Motorrädern. Für die war es nicht so einfach, wie ich mir einbildete. Auch sie mussten wegen der Wegverhältnisse langsam fahren. Da ist die Stabilität gering und sie mussten das Gleichgewicht durch Körpereinsatz halten.
 
Über die Bergkuppe verläuft die Grenze zur Ukraine. Die hier sichtbaren Wege sind nicht in der Open Street Map enthalten. Wegen der Grenznähe fahren Rumänische Polizisten Patrouille (einer der 10 PKW), um eventuelle Flüchtlinge abzufangen.  
 

 
 Immer wieder tauchten Felsen auf.
 
Ganz schön frech, wie die Mähne so schräg über der Stirn liegt. So war es auch. Es roch wohl das Brot und die Äpfel in meiner Tasche. Während mir der Rumäne den genauen Standort klar machte und ich endlich begriff, dass ich nicht die Serpentinenstraße sondern irgenwo in der Pampas fuhr, wollte es das Brot aus meiner Tasche holen und schmiss dabei mein Rad um. Ungestört wollte es weiter in die Tasche beißen und nur unser Schrei verhinderte ein Loch darin.
 
 
In der Ukraine hatte ich ja schon üblen Schlamm erlebt. Aber so richtig war ich diese Wegverhältnisse noch nicht gewohnt. Auf so einem Weg fährt man am einfachsten durch die Pfützen. Sie sind i. d. R. wenig schlammig und man kommt gut durch. Füße hoch, wenn Fußbad droht.
 
 
Und immer wieder malerische Flecken 

 
Blick von der zweiten Passhöhe. Ab dem ersten Pass war der Weg wesentlich leichter zu fahren.
 
Kurz vor Bobeica werden die Kühe zum Melken nach Hause gebracht. 

Ein wenig Brennholz im Wagen, ein Lächeln im Gesicht und die Pferde sind zärtlich zueinander. 
Kann das Leben schöner sein?
 
Wie im Hochschwarzwald: Bobeica ca. 1250 m+NN

Rd. 50 km Schotterpiste von Haus zu Haus, dazwischen Natur pur. Die letzten 300 m Anstieg vor dem ersten Pass waren sehr steil, der Schotter sehr grob und deshalb war dieser Abschnitt sehr anstrengend, teilweise kräfteraubend zu schieben. 10 PKW und 2 Motorräder, das war der gesamte Verkehr an diesem Tag. Sehr wenig, jedoch war ich in großer Einsamkeit nicht ganz alleine. Aber so wie einzelne Geräusche die Stille betonen, so betonen sparsame Begegnungen die Einsamkeit. Ich war froh und glücklich, dass mich Brouter diesen Weg geschickt hat. Die Anstrengung hat sich mehr als gelohnt. Die Alternative über die asphaltierte Serpentinenstraße wäre vergleichsweise erlebnisarm und ätzend laut gewesen.

Etwas weiter unten fand ich hinter einem verlassenen Haus ein Plätzchen für mein Zelt mit überdachter Sitzgelegenheit zum Kochen und Essen.

Den Track mit Höhenprofil findet man hier bei Komoot.
Ihr braucht einen eigenen Zugang zu Komoot.
Ihr müsst euch erst einloggen und dann den Track laden.
Die Höhe wird terrestrisch bestimmt, also nicht durch die aufgezeichneten GPS Daten.
 
 


 





Dienstag, 21. September 2021

Bären

Nach der Nacht auf dem Berg war die Abfahrt auf guter Straße ein voller Genuss. Bis Miercurea ging es den ganzen Tag durch eine Ebene. Langweilig. Ich fand einen schönen Platz am Fluss und wartete, bis die Schafe abgezogen waren.

Umsonst.
Das Zelt stand, da kamen sie zurück und wollten doch mal sehen, wie so ein Radler schläft. Da im Zelt weder Blumen noch Gras zu finden waren, zogen sie weiter. 

Das war neben der Abfahrt das einzig Interessante an diesen Tag. Deshalb beschloss ich, am nächsten Tag wieder in die Berge zu fahren. 

Er begann mit
2 Stunden im Cafe.
Guter Start.



Außerdem Handschuhe verloren und gleich wieder gefunden. Noch besser.

Auf bestem Asphalt ging es bis auf 1200 m. Da staunten selbst die Kühe


Es wäre keine Bergtour, wenn nicht die letzten 150 m Höhe über Schotter mit mindestens 10% Steigung und durch Matsch gingen.

Natürlich fluchte ich manchmal. Aber es ist befriedigender als die Ebene.









Mich fasziniert die Wildnis. Die Ebene ist kultiviert: Mais, Weide, endlose Straßendörfer - langweilig.Hier ergibt sich nach den nächsten 50 m wieder ein anders Bild und vielleicht eine andere Stimmung. Steht hinter der nächsten Biegung der Bär?

Bei der Abfahrt gab es noch diese Überraschung. 1966 auf meiner ersten längeren Radtour habe ich im Rothaargebirge einen Meiler in Betrieb gesehen. Seither nie wieder.  






Durch die wilde Hundemeute 300 m oberhalb musste ich durchfahren. Da kannte ich den Trick mit der Rute noch nicht.

Nachts schlugen die Hunde heftig an. Einige Minuten nach dem wieder Ruhe eingekehrt war brummte es da drüben bei dem Wohnwagen. Langsam entfernte sich das Brummen und kam später nochmal. Am Dachgebälk hing meine Essenstasche. Ich war neugierig. Allzugerne hätte ich aufgemacht und geschaut. Aber die Reißverschlüsse sind laut und ich wollte den Bär nicht auf mich aufmerksam machen. 

Es war einer. Ich hatte am nächsten Morgen "Bär brummen" gegoogelt und der Sound aus You Tube war genau das, was ich gehört hatte. Der Wohnwagen steht auf einer Wiese und so gab es leider keine Spuren.


Sonntag, 19. September 2021

Markt

Keine Sonne, kein Wind. An diesem Morgen musste ich mein Zelt, das gestern Abend so schön getrocknet war, wieder klatschnass einpacken. Wie fast jede Nacht hatte es kräftig getaut. Gut gefrühstückt ging es locker bergab. Nach einer Weile verdichtete sich der Verkehr. Dann wurde es Verkehrschaos mit einer Menge Fußgängern dazwischen. Aah, da war Markt in Borca.

 

Klar, dass man in dieser Gegend Zaumzeug für Pferde braucht.

 

 

 

 

 

 

Pflaumenbäume gibt es eine ganze Menge, als Obst im Laden aber weniger als zuhause. Und Pflaumenmarmelade muss man suchen. Warum?

Die meisten Pflaumen werden vergoren, kommen DA rein und als klares Wässerchen wieder raus.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles, was man in einem landwirtschaftlichen Betrieb braucht, gibt es hier.

Man beachte die Sägeschwerter von Stihl. Kein Billigfabrikat!






kein Fotografierwetter, aber wenigstens trocken.

Wer genau hinschaut sieht den Schuhstand. Auch Frauen kommen hier auf ihre Kosten.






Ansonsten haben mich Kleider und Schuhe nicht so interessiert, bis auf diese russischen Kamelhaarsocken.
2 Paar für 20 Leu = 4 €.
Sie haben meinen kalten Füßen endlich ein Ende gesetzt - vor allem nachts. Das hat der ergonomisch gewölbte Fußraum des Cat's Meow von North Face, meinem Schlafsack,  nämlich nicht geschafft. Mit kalten Füßen schlafen ist nicht gerade ein Highlight.


Weiter ging's bergab zu einem Stausee und auf einer verkehrsreicheren Straße wieder aufwärts zum nächsten Pass. Es war schon der 4. wolkige Tag. Da hungerte die Elektronik. An der Pizzeria konnte ich deshalb nicht vorbei fahren. Die Gorgonzola-Pizza und das Bier waren hervorragend und  die Elektronik hat auch was bekommen. Das Handy war mit 80% ganz schön satt. Die Anker-Powerbank lässt sich nicht so leicht zufrieden stellen.

Gut gestärkt ging's weiter und nach kurzer Zeit auf eine Nebenstraße, selbstverständlich mit Schotter, gut fahrbar. Mit diesen fantastischen Strümpfen wäre ich auch Schlimmeres gefahren!!

Die Passhöhe war eine Hochebene. Ich fand neben der Straße ein Gebäude mit einem großen überdachten Sitzplatz mit Tisch und Bänken. Dazu eine kurzgeschorene ebene Wiese. Optimal!

In der Nähe waren Hirten mit ihrer Herde. In der Nacht haben die Hunde hin und wieder heftig angeschlagen.
Meine Essenstasche hing 50 m weiter im Baum. Am nächsten Morgen waren frische Wolfspuren in unmittelbarer Nähe. Der Wolf wollte sicher nicht mein Essen, aber er ist rel. nah am Zelt vorbei gespurt. 

Der Wind trocknete abends mein Zelt innerhalb von 20 Min.  Da war der Ärger vom Morgen verflogen.